Market Economics

Erlösquellen im Detail

Alle relevanten Erlösquellen für Batteriespeicher — von etablierten Regelenergiemärkten bis zu aufkommenden Produkten wie Momentanreserve und Kapazitätsmärkten.

Frequency Containment Reserve

Primärregelreserve — wöchentliche Auktionen

FCR ist der Primärregelmarkt des europäischen Verbundnetzes. BESS stellen symmetrische Leistung bereit, die bei Frequenzabweichungen automatisch aktiviert wird — ohne externen Aktivierungsauftrag. Die Vergütung erfolgt als Vorhaltungserlös pro bereitgestelltem MW.

Wöchentliche Auktionen auf der europäischen Plattform PICASSO (FCR Cooperation)
Symmetrische Vorhaltung: gleiche Menge positiv und negativ
Mindestgebotsgröße: 1 MW (Deutschland), Pooling möglich
Ramp-Rate-Anforderung: volle Leistung innerhalb 30 Sekunden
Hohe Erlöse je MW — historisch der lukrativste Markt für kurze BESS (≤ 2h)
FCA-Stacking-Beschränkungen bei gleichzeitiger aFRR-Teilnahme beachten
Verfügbar fürStandalone BESS, Graustromspeicher, Grünstromspeicher (eingeschränkt)

Automatic Frequency Restoration Reserve

Sekundärregelreserve — 15-Minuten-Produkte

aFRR gleicht Frequenzabweichungen nach FCR-Aktivierung wieder aus. BESS bieten positive und negative Reservekapazität in 15-Minuten-Produkten an. Vergütung setzt sich aus Vorhaltungserlös (unabhängig von Aktivierung) und Aktivierungserlös zusammen.

Tägliche Auktionen über MARI (aFRR Cooperation)
Positive (Entladung) und negative (Ladung) Kapazität separat ausschreibbar
Mindestgebotsgröße: 1 MW
Aktivierungserlöse addieren sich zum Vorhaltungserlös — besonders bei langen Durations attraktiv
4h-BESS profitieren stärker von Aktivierungen als 2h-Anlagen
Interaktion mit FCR-Teilnahme über FCA-Beschränkungen reguliert
Verfügbar fürStandalone BESS, Graustromspeicher (voll), Grünstromspeicher (eingeschränkt)

Intraday Continuous

Kurzfristiger Spothandel — bis zur Lieferstunde

Der Intraday-Markt ermöglicht kontinuierlichen Handel bis kurz vor der Lieferstunde. BESS nutzen ihn zur Arbitrage auf kurzfristige Preisbewegungen — insbesondere in Stunden mit starker Einspeisung aus Wind und PV. Kombiniert mit aFRR-Vorhaltung erhöht Intraday die Kapazitätsauslastung deutlich.

Kontinuierlicher Handel bis 30 min vor Lieferung (Gate Closure)
Preisspreads zwischen -500 € und 3.000 €/MWh möglich (Regelungen variieren)
Ideal als Ergänzung zur Regelenergievorhaltung — erhöht Kapazitätsnutzung
Stärker volatil als Regelenergiemärkte — Erlöse schwanken erheblich
Höhere Anforderungen an Dispatch-Optimierung und Preisprognose
Verfügbar fürStandalone BESS, Graustromspeicher — Grünstromspeicher eingeschränkt je nach FCA-Typ

Day-Ahead Spot

Tägliche Auktion für den Folgetag

Die Day-Ahead-Auktion bestimmt Stundenpreise für den Folgetag. BESS nutzen die Preisdifferenz zwischen günstigen Off-Peak-Stunden (Laden) und teuren Peak-Stunden (Entladen). Als alleinige Einnahmequelle oft zu volatil — als Stack-Ergänzung neben Regelenergie sinnvoll.

Tägliche Auktion um 12:00 Uhr — Ergebnisse veröffentlicht gegen 12:42 Uhr
Einheitspreis je Stunde für alle Marktteilnehmer
Spread zwischen Off-Peak (<0 € in Stunden hoher EE-Einspeisung) und Peak (>200 €/MWh in Mangellagen) bestimmt Arbitragepotenzial
Negative Preise bieten Ladeanreize — besonders für Grünstromspeicher relevant
Erlöse stark abhängig von EE-Einspeisung und saisonalen Mustern
Verfügbar fürAlle Speicherkonfigurationen

Direktvermarktung

Marktprämienmodell nach EEG

Im Marktprämienmodell vermarktet ein Direktvermarkter den Strom am Spotmarkt (Day-Ahead & Intraday) im Namen des Anlagenbetreibers. Der Staat gleicht die Differenz zum anzulegenden Wert durch eine Marktprämie aus. Für co-lokalisierte BESS eröffnet die Direktvermarktung Optimierungspotenziale durch die Koordination von Einspeisung und Speicher-Dispatch.

Pflicht zur Direktvermarktung ab 100 kW installierter Leistung (EEG 2023)
Marktprämie = anzulegender Wert − Jahresmarktwert (monatlich abgerechnet, auf null begrenzt)
Kein Anspruch auf Marktprämie bei negativen Preisen — seit 25. Feb. 2025 gilt dies für neue Anlagen bereits ab dem ersten negativen 15-Minuten-Intervall (Bestandsanlagen grandfathered)
Flexibilitätsprämie für steuerbare Anlagen (§ 50 EEG) — relevant für BESS
Direktvermarkter übernehmen das Preisrisiko und optimieren den Dispatch
Für co-lokalisierte BESS: Koordination von EE-Einspeisung und Speicher-Dispatch
Verfügbar fürGrünstromspeicher, Graustromspeicher Hybrid (mit EE-Komponente)

Einspeisevergütung

Feste Vergütung nach EEG — Kleinanlagen

Die feste Einspeisevergütung nach EEG gilt für Anlagen unterhalb der Direktvermarktungspflicht. Sie bietet Preissicherheit, lässt aber keine Erlösoptimierung zu. Für BESS-Projekte im Utility-Scale-Bereich in der Regel nicht relevant — relevant jedoch für kleinere co-lokalisierte Anlagen.

Gilt für Anlagen ≤ 100 kW (nach EEG 2023 generell, Ausnahmen bestehen)
Fester Vergütungssatz je kWh — kein Marktrisiko, kein Optimierungspotenzial
Degression: jährliche Absenkung der Vergütungssätze
Für BESS-Projekte im Utility-Scale-Bereich (> 1 MW) in der Regel nicht anwendbar
Relevant bei sehr kleinen co-lokalen PV-Anlagen < 100 kW
Verfügbar fürNur für Kleinanlagen < 100 kW

EEG-Optimierung (Grünstromspeicher)

Erzeugungsgebundener Dispatch nach EEG

Grünstromspeicher nach EEG laden ausschließlich aus der co-lokalen EE-Anlage. Diese Einschränkung reduziert einerseits die Dispatch-Freiheit — ermöglicht andererseits aber Vorteile bei Netzentgelten und der Direktvermarktungsoptimierung. Catalyst modelliert den EEG-konformen Betrieb mit realem Erzeugungsprofil.

Ladung nur aus co-lokaler EE-Erzeugung — kein Netzbezug zum Laden
Messkonzept: Übergabepunkt und Zählerkonzept sind projektspezifisch zu klären
Netzentgeltbefreiung nach § 118 EnWG unter bestimmten Bedingungen möglich
EEG-Optimierung: Speicher verschiebt Einspeisung in ertragreichere Stunden
Kombination mit Direktvermarktung und FCR/aFRR-Teilnahme (soweit FCA es erlaubt)
Zeitliche Überschneidung von Erzeugung und Marktchancen bestimmt den Erlösstack
Verfügbar fürGrünstromspeicher (EEG-konform)

Innovationsausschreibung (DE)

Förderprogramm für innovative EE-Konzepte

Die Innovationsausschreibung nach § 39j EEG fördert neuartige EE-Konzepte — insbesondere Co-location-Projekte. Erfolgreiche Bieter erhalten eine Marktprämie auf ihre Einspeisung. Für BESS-Projekte, die in Kombination mit EE-Anlagen realisiert werden, kann die Innovationsausschreibung eine relevante Erlöskomponente darstellen.

Jährliche Ausschreibungsrunden durch die Bundesnetzagentur
Zulassungsvoraussetzungen: Co-location mit steuerbarer Last oder Speicher
Zuschlagspreis = anzulegender Wert, Marktprämie = Differenz zum Marktwert
Förderdauer: 20 Jahre ab Inbetriebnahme
Teilnahme schließt in der Regel die gleichzeitige EEG-Direktvermarktung ein
Attraktiv für Projekte, die nicht über die Standardausschreibung optimal gefördert werden
Verfügbar fürCo-location-Projekte mit EE + BESS (Grünstromspeicher)

Momentanreserve (Inertia)

Trägheitsemulation — regulatorisch im Aufbau

Momentanreserve bezeichnet die Fähigkeit, bei einem plötzlichen Frequenzeinbruch instantan Leistung bereitzustellen — ohne Aktivierungsverzug. Traditionell lieferten rotierende Massen (Generatoren) diese Trägheit. Mit zunehmendem Anteil von Umrichteranlagen am Netz wird Inertia knapper. BESS können synthetische Trägheit emulieren.

Physikalischer Hintergrund: Trägheit stabilisiert das Netz bei plötzlichem Leistungsungleichgewicht
Bisher in Deutschland nicht als separates Produkt vergütet — implizit in FCR enthalten
Regulatorische Entwicklung: ENTSO-E, BNetzA prüfen Produktdefinitionen
Technisch: BESS können Trägheit durch Grid-Forming-Inverter emulieren (Virtual Inertia)
In anderen Märkten (UK: FFR, Fast Frequency Response) bereits teilweise produktisiert
Langfristig relevante Erlösquelle — heute noch kein standardisiertes Vergütungsmodell in DE
Verfügbar fürAlle Speicherkonfigurationen (technisch) — vergütungsrelevant noch nicht in DE

Kapazitätsmarkt

Vergütung für gesicherte Leistungsvorhaltung

Kapazitätsmärkte vergüten die Vorhaltung gesicherter Erzeugungskapazität — unabhängig von tatsächlicher Produktion. In Deutschland ist kein Kapazitätsmarkt eingeführt; das bestehende System setzt auf einen Energy-Only-Markt. In anderen EU-Märkten (UK, Frankreich, Belgien, Polen) sind BESS bereits kapazitätsmarkttauglich.

In Deutschland: kein Kapazitätsmarkt — Energy-Only-Markt (EOM) mit Reservemechanismen
Strategische Reserve (SRER) und Kapazitätsreserve als Übergangsinstrumente
UK: T-4/T-1 Capacity Market Auctions — BESS partizipieren bereits erfolgreich
Frankreich: ARENH-Mechanismus und Kapazitätszertifikate
Belgien: Strategische Reserve → CRM (Capacity Remuneration Mechanism) ab 2025
Für pan-europäische Portfolios relevant — in DE mittelfristig unter Beobachtung
Verfügbar fürIn DE derzeit nicht anwendbar — in UK, FR, BE, PL aktiv

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